Ein Sicherheitsvorfall ist selten laut.
Kein Alarm, kein rotes Blinken, kein klarer Moment, in dem alles offensichtlich ist. Oft ist es nur ein Gefühl: Etwas stimmt nicht.
Gerade deshalb sind die ersten 60 Minuten entscheidend.
Nicht, weil man in dieser Zeit alles lösen muss – sondern weil man hier die Richtung festlegt.
Dieses How-to gibt Ihnen eine klare, realistische Orientierung, was in der ersten Stunde wichtig ist – und was bewusst nicht.
Minute 0–10: Ruhe bewahren und Situation einfrieren
Der größte Fehler in den ersten Minuten ist Aktionismus.
Bitte nicht:
- Systeme hektisch neu starten
- Dateien löschen
- Passwörter „auf Verdacht“ ändern
- Geräte vom Netz trennen, ohne Überblick
Was jetzt zählt:
- Ruhe
- Beobachtung
- Dokumentation
Notieren Sie:
- Was ist aufgefallen?
- Wann erstmals?
- Welche Systeme oder Personen sind betroffen?
Diese Informationen sind später oft entscheidender als jede technische Maßnahme.
Minute 10–20: Zugriff begrenzen – nicht zerstören
Jetzt geht es um Schadensbegrenzung, nicht um Reparatur.
Sinnvolle Schritte:
- Betroffene Benutzerkonten temporär deaktivieren
- Verdächtige Zugänge einschränken, nicht löschen
- Externe Verbindungen prüfen (VPN, Fernzugriffe)
Wichtig:
Ziel ist es, weitere Schäden zu verhindern, ohne Spuren zu vernichten.
Minute 20–40: Intern klären, wer informiert sein muss
Ein Sicherheitsvorfall ist keine IT-Privatsache.
Klären Sie:
- Wer trägt intern die Verantwortung?
- Wer darf Entscheidungen treffen?
- Wer sollte noch nicht informiert werden?
Nicht jeder Mitarbeitende muss sofort alles wissen.
Unkoordinierte Kommunikation erzeugt Unsicherheit und Gerüchte.
Minute 40–60: Entscheidungsvorbereitung, nicht Problemlösung
In der ersten Stunde wird nicht alles behoben.
Aber Sie legen fest, wie es weitergeht.
Jetzt ist der richtige Moment für:
- Einschätzung: intern lösbar oder externe Hilfe nötig?
- Vorbereitung weiterer Schritte
- Sicherung relevanter Informationen
Wenn externe Unterstützung nötig ist, gilt:
Je strukturierter diese erste Stunde war, desto schneller und sauberer kann geholfen werden.
Was Sie in den ersten 60 Minuten bewusst nicht tun sollten
- Keine Schuldzuweisungen
- Keine vorschnellen Aussagen („Alles unter Kontrolle“)
- Keine Panik-Kommunikation
- Keine Schnellschüsse aus Angst
Cybersecurity ist kein Wettlauf, sondern ein kontrollierter Prozess.
Ein nüchterner, aber wichtiger Gedanke zum Schluss
Ein Sicherheitsvorfall definiert kein Unternehmen.
Aber der Umgang damit tut es.
Unternehmen, die in den ersten 60 Minuten ruhig, strukturiert und klar handeln, haben langfristig:
- weniger Schaden
- bessere Entscheidungsgrundlagen
- mehr Vertrauen intern und extern
Genau dafür ist dieser Vault da.
Wenn Sie möchten, können wir als Nächstes:
- eine kompakte PDF-Version daraus machen
- eine Checkliste für die ersten 60 Minuten ergänzen
- oder den Artikel als Begleittext für eine exklusive Podcastfolge aufbereiten


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